„Ich muss gar nichts“ – und wer eigentlich hinter dem Wort „müssen“ steckt

Juli 4, 2026 | Persönliches

Tisch mit schwarzem Becher und Eiskaffe Slush. Im Hintergrund eine grüne Wiese und Stühle verschwommen

Mein Sohn (fast 8) sah mich flehend an. Sein Butterbrot hielt er nur halb aufgegessen in der Hand. „Heute musst du mich ins Bett bringen. Nicht der Papa.“

Ich spürte es sofort. Meine Krallen fuhren aus.

Ein Titel, der nicht meiner ist

Meine Freundin Silke Geissen macht gerade eine Blockparade mit dem Titel „Einen Scheiss muss ich“.
Nur zu gerne schreibe ich da mit. Aber der Satz gehört ihr.

Meiner ist kürzer. Er lautet: „Ich! muss! gar! nichts!“ (stell Dir das vor mit innerlichem Aufstampfen, Ellenbogen verschränken und richtig bösem Blick, so wie nur wütende 3-Jährige es können.)

Heute und früher

Heute sage ich ruhig und gelassen zu meinem Sohn: „Nein. Heute nicht.“ Ich erkläre ihm, dass ich diesen Abend für mich brauche, um aufzutanken, um einen Liebesroman weiterzulesen, um einen spannenden Kurs durchzuarbeiten. Damit ich danach wieder ganz für ihn da sein kann, voller Freude, Tatendrang und neuer Energiereserven.

Mein innerer Kampf ist an der Stelle winzig klein geworden.

Vor einem Jahr sass da noch mein schlechtes Gewissen mit am Tisch. „Er braucht mich doch gerade so sehr“, tönte es in solchen Momenten laut in mir.

Die Krallen sind noch nicht die Freiheit

Wenn jemand „du musst“ zu mir sagt, ist der Reflex sofort da. Meine Krallen fahren raus, innerlich. „Ich muss gar nichts“ – dieser Gedanke beherrschte mich dann völlig. Und oft genug hab ich das auch (laut) rausgeplatzt. Das fühlte sich stark an, in diesem Moment.

Und es war doch gar nicht stark. Denn ich spürte dabei genau, wie ich mich wehre. Das war Kampf. Freiheit vom „müssen“ sieht anders aus.

Was die Perimenopause mir zeigt

Ich stecke gerade mitten in der Perimenopause. Diese Phase lehrt mich jeden Tag, bei mir zu sein. Mich zuerst zu priorisieren. Und das ist nicht immer nett für mein Umfeld. Und doch so so wohltuend für mich selbst.

Meine spirituelle Arbeit der letzten Monate hat mir dabei geholfen, das wirklich zu lernen. Früher konnte ich das nicht. Heute weiss ich genau, wie das geht. (Also meistens.)

Das Buffet

2021 stürzte ich mich ins Online-Business-Game. Dort erzählte mir jede:r Coach, wie es gehen muss, damit ich Erfolg habe. Alle hatten DEN ultimativen Weg. Den und nur den musste ich gehen – und dann rappelt es in der (Geld-)Kiste. So die grossen Versprechungen.

Ich lernte unglaublich viel. Vieles, das ich heute jeden Tag und in den vielen Rollen meines Businesslebens nutze und sehr liebe. Zum Beispiel achte ich sehr genau, wie Menschen Dinge in ihren Worten formulieren. Und nutze dann genau ihre Worte, um es ihnen in meinen Texten leicht zu machen.

Irgendwann checkte ich: Das ist ja nur ihr Weg. Zu meinem Weg wird er dadurch noch lange nicht. Den darf und kann ich mir selbst bauen. Müssen tue ich gar nichts.

Heute verstehe ich das ganze Angebot als Buffet. Ich nehme mir, was zu mir passt. Den Rest lasse ich stehen. Denn nur wenn etwas wirklich zu mir passt, bleibe ich dran. Und das ist das allerwichtigste – Selbstverantwortung und Durchhaltevermögen. Ich für mich.

Vier Dimensionen

Bei meiner spirituellen Lehrerin Tina Maria Werner habe ich gelernt, in die vier Dimensionen meines Menschseins zu schauen: Körper, Kopf, Gefühl, Energie. Wenn die alle gesund und munter sind, sind Seelenerfahrungen möglich, so wie sie sich meine Seele für dieses Leben wünscht.

Wenn jemand „du musst“ sagt, prüfe ich inzwischen zuerst: Welche meiner vier Dimensionen geht da in den Widerstand? Wer hat gerade zu wenig Energie? Entweder sorge ich dann für die nötige Energie, oder ich sage nach bestem Wissen: „Nein.“ Das ist übrigens ein vollständiger Satz und muss eben nicht begründet werden.

Etwas müssen hat oft mit dem Ego zu tun. Wenn ich das Gefühl habe, ich muss etwas, dann gehe ich mit meinem Ego in den inneren Dialog und frage es zum Beispiel: „Wer sagte denn jetzt genau, dass ich das muss?“ Da kommen spannende Antworten heraus und ich verstehe besser, was in mir los ist. Ich verstehe das Ego als einen Teil meiner Persönlichkeit. So wie den inneren Kritiker, zum Beispiel.

Die Essenz

Je klarer ich spüre, was ich gerade denke, fühle, brauche, desto weniger triggert mich das „du musst“ von aussen.

Das „du musst“ von innen halte ich selbst gut in Schach.

Das ist mein Weg zu diesem Satz und mein Umgang mit ihm. Es ist eine Landkarte für mich selbst, die ich gern mit Dir teile.


Danke, dass Du bis hierhin gelesen hast.

Wie ist das bei Dir?
Was passiert bei Dir, wenn jemand „du musst“ sagt?
Und wie geht es Dir mit Deinem innerlichen „du musst“?

Schreib mir gerne. Ich freu mich.

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Hoi,
ich bin Christine.

Ich bin VUCA-Expertin, Coachin und LEGO Serious Play® Facilitatorin.
Wenn Du mit dem in Frieden kommen willst, was Dich jetzt gerade stresst, dann lass uns zusammenarbeiten.

Wie wäre es, wenn Du von dort aus gestalten kannst?
Ich begleite Dich mit alltagstauglichen Schrittli, bis Du das geschafft hast.

Schreib mir. Ich freu mich.

Erfahre mehr über mich und meine Vision für dich.

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