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	<title>Geschichten aus der Führung Archive - Christine Traut</title>
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	<description>Balance · Mut · Schrittli · Power</description>
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		<title>Elly schrieb die E-Mail 4 Tage nach Weihnachten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christine]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 14:25:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Führung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es galt drei neue Termine zu finden, mit ihrem Coach.&#160; Elly schrieb das Nötigste. Und schrieb dann noch dazu, dass Suse gestorben war. Immer mal wieder hatte sie in den Coaching Gesprächen erwähnt, wie krank Suse war und wie sehr alle unter der Situation litten. Ihre Freundin Suse war 9 Tage vor Weihnachten gestorben.&#160; Nach [&#8230;]</p>
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<p>Es galt drei neue Termine zu finden, mit ihrem Coach.&nbsp;</p>



<p>Elly schrieb das Nötigste. Und schrieb dann noch dazu, dass Suse gestorben war. Immer mal wieder hatte sie in den Coaching Gesprächen erwähnt, wie krank Suse war und wie sehr alle unter der Situation litten. Ihre Freundin Suse war 9 Tage vor Weihnachten gestorben.&nbsp;</p>



<p>Nach 10 langen Monaten.<br>Ein Teil von Elly wusste: Es war eine Erlösung. Die Schmerzen waren vorbei. Vielleicht war die Seele nun an einem Ort, an dem sie sich ausruhen konnte.<br><br>Ein anderer Teil von ihr stand noch ganz am Anfang des Begreifens,&nbsp;<br>dass diese Stimme fehlte, dass sie ihr nie mehr direkt eine Frage stellen konnte, dass niemand mehr genau so antwortete, wie Suse, dass Nähe plötzlich eine Erinnerung war.</p>



<p>Sie schickte die Zeilen an ihren Coach. Im Rahmen eines umfangreichen Leadership-Trainings, das eigentlich von Entwicklung, Klarheit und Zukunft handelte, trafen sie sich alle 14 Tage persönlich in ihrem Büro. Sie wunderte sich, als keine Antwort kam. </p>



<p>Aber nur ein bisschen. Denn sie hatte einen klugen Satz von Tamara Dietl gelesen: </p>



<p></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-left">Es gibt tausende Arten zu sterben <br>und tausende Arten zu Trauern.</p>
</blockquote>



<p>Wer weiss, was ihr Coach mit dem Thema Tod laufen hatte. So gut kannte sie ihn auch nicht. Etwas in ihr ahnte, dass er darauf auf seine ganz eigene Weise reagieren würde.&nbsp;</p>



<p>Als sie sich im neuen Jahr wieder trafen, sagte sie nichts dazu.<br>Sie setzten sich. Legten ihre Unterlagen bereit. Der Raum war ruhig.</p>



<p>Bevor er begann, stand der Coach noch einmal auf.<br>Er kam mit einer Kerze zurück.</p>



<p>Sie war aus Bienenwachs.<br>Klein und honiggelb. Warm in der Farbe.<br>Er erzählte, dass sie von einer Freundin stammte, die Imkerin ist. Aus einem ihrer eigenen Bienenstöcke.</p>



<p>Elly spürte, wie ihr der Atem stockte.<br>Nicht dramatisch. Still.</p>



<p>Der Coach improvisierte aus Alufolie und einem kleinen Teller einen Kerzenständer.&nbsp;<br>Dann zündete er die Kerze an.</p>



<p>„Sie ist heute hier bei uns.“ sagte er.</p>



<p>Während des Gesprächs flackerte das Licht ruhig vor sich hin.<br>Manchmal bemerkte Elly es kaum.<br>Manchmal zog es ihre Aufmerksamkeit ganz zu sich.</p>



<p>Sie sprachen über Führung. Über Verantwortung. Über Grenzen.<br>Über das Aushalten von Unsicherheit.<br>Über das Weitergehen, ohne dass alles wieder ganz wird.</p>



<p>Und irgendwo dazwischen war sie da.<br>Suse, ihre Freundin.<br>Nicht als Gedanke. Nicht als Schmerz.<br>Sondern als Präsenz.</p>



<p>Als die Stunde zu Ende ging, fiel Ellys Blick auf den Teller.<br>Die Kerze war vollständig heruntergebrannt.</p>



<p>Übrig geblieben war nur ein kleiner Ring aus Bienenwachs.<br>Und ein schwarzer Punkt dort, wo der Docht gewesen war.</p>



<p>Elly sah ihn lange an.<br>Und wusste plötzlich: So wird es sein.</p>



<p>Suse würde bleiben. Nicht immer gleich. Nicht immer sichtbar.<br>Aber genau so wie es für Elly wirksam war. </p>
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		<title>Es war nur eine halbe Stunde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christine]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 13:15:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Business]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Führung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war kein Meeting, also gab’s keine Agenda, kein Ziel. Der Chef brachte Dreikönigskuchen mit, und für einen kurzen Moment vergass Tom, dass er verantwortlich war. Sie standen in der Küche, im Kreis, mit Kaffeebechern in der Hand. Jemand lachte zu laut, jemand anderes erzählte vom Jahreswechsel. Es roch nach Hefe, Zucker und diesem schwer [&#8230;]</p>
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<p>Es war kein Meeting, also gab’s keine Agenda, kein Ziel.</p>



<p>Der Chef brachte Dreikönigskuchen mit, und für einen kurzen Moment vergass Tom, dass er verantwortlich war.</p>



<p>Sie standen in der Küche, im Kreis, mit Kaffeebechern in der Hand. Jemand lachte zu laut, jemand anderes erzählte vom Jahreswechsel. Es roch nach Hefe, Zucker und diesem schwer zu beschreibenden Etwas, das entsteht, wenn Menschen kurz nichts müssen.</p>



<p>Tom griff nach einem Stück Kuchen. Ohne nachzudenken.<br>Er biss hinein und hielt inne.</p>



<p>Da war etwas Hartes<br>Er zog es vorsichtig aus dem Teig: eine kleine weisse Figur. Jemand reichte ihm schmunzelnd die Papierkrone.</p>



<p>Für einen Sekundenbruchteil war ihm das fast peinlich. Diese kindliche Freude, dieses Grinsen, das er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Dann lachten die anderen. Einer klopfte ihm auf die Schulter. Jemand rief:&nbsp;<em>„Der König!“</em></p>



<p>Tom setzte sich die Krone auf.<br>Und für diesen Moment war er es wirklich.</p>



<p>Nicht im hierarchischen Sinn. Nicht als Titel.<br>Sondern als Teil des Spiels.</p>



<p>Später, zurück an seinem Schreibtisch, dachte er noch einmal daran. Wie leicht sich dieser Moment angefühlt hatte. Wie selbstverständlich. Wie lange er so etwas nicht mehr erlebt hatte.</p>



<p>Er merkte, dass ihn nicht die Krone beschäftigt hatte.<br>Sondern etwas anderes. Die halbe Stunde, in der niemand etwas wollte, niemand etwas musste und es nur darum ging, zusammen zu sein. Im wahrsten Sinne des Wortes: sein dürfen.&nbsp;</p>



<p><strong>Ich führe, aber ich spiele nicht mehr.</strong></p>



<p>Der Gedanke war ruhig. Kein Vorwurf. Keine Anklage. Eher eine Feststellung.<br>Wann war Führung so ernst geworden? So durchgetaktet? So zielorientiert, dass kaum noch Platz blieb für das Zweckfreie?&nbsp;</p>



<p>Am Abend stellte Tom ein Foto der Krone als WhatsApp-Status ein.<br>Er rechnete mit nichts und bekam überraschend viel Resonanz. Herzchen. Kommentare. Kurze Nachrichten.<br><em>„Wie schön.“</em><br><em>„Das vermisse ich.“</em><br><em>„Guter Start ins Jahr.“</em></p>



<p>Er las die Nachrichten mehrmals, weil er es kaum benennen konnte, was sie in ihm auslösten. Nicht, weil sie spektakulär waren, sondern weil sie etwas berührten, das offensichtlich viele kannten.</p>



<p>Tom hatte immer gern gespielt. Er hatte früher schnell ja gesagt, wenn es darum ging etwas zu tun, dass nichts musste, sollte oder würde. Und er hatte es schon ewig nicht mehr getan. Hatte er es verlernt? </p>



<p>Er dachte an sein eigenes Team. An die vielen Gespräche, die Zahlen, die Verantwortung. Und an die Stimmung, die oft zwischen Effizienz und Erschöpfung pendelte. All die Menschen, die er führte, die Komplexität, die ihn jeden Tag forderte. Er dachte daran, dass er dringend priorisieren musste, womit er das neue Jahr gestalten will.&nbsp;</p>



<p>Vielleicht, dachte er, gehört es auch zur Verantwortung von Führung, solche Räume zu öffnen. Nicht als Agendapunkt, nicht als Tool, mitgebracht aus einem Leadership Workshop.&nbsp;<br>Sondern als Einladung.<br><br>Ein Kuchen.<br>Ein kleines Spiel.<br>Eine halbe Stunde.&nbsp;</p>



<p>Manchmal braucht es nicht mehr, um sich wieder zu erinnern, wie sich Gemeinschaft anfühlt. Und sich dran zu erinnern, dass sie alle zusammen in diesem Boot sassen und er nicht alleine mit seiner Rolle war.</p>



<p>So viel konnte passieren in einer halben Stunde.&nbsp;</p>
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